| Schulseelsorge - Konzept des Berufskollegs St. Michael im Bistum Münster | |
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So wie die Schule einem ständigen pädagogischen Wandel unterworfen ist, so ist auch die Schulseelsorge in keine feste Form zu gießen. Es gibt kein immer gültiges Konzept für Schulseelsorge, keine Gebrauchsanweisung für Schulseelsorger. Das bedauere ich nicht, denn so bin ich auch nicht festgelegt. Dennoch aber gibt es aus meiner Sicht Schwerpunkte und Eckpunkte. So gilt es mit wachen Augen im Bedingungsgefüge des normalen Schulalltags Ansatzpunkte für ein Handeln zu finden, bei dem der Mensch mit seinen Wünschen und Bedürfnissen sowie seinen konkreten Fragen und Nöten in der Mitte des Handelns steht. Es gilt also das „Auge“ zu sein,[1] d.h. einen Blick zum Beispiel für die Schwachen und Hilfsbedürftigen zu entwickeln; wahrzunehmen, wo Unrecht geschieht und sich für Veränderungen einsetzten. Das Konzept der Schulseelsorge im Bistum Münster stellt die diakonische Dimension der Schulpastoral an erste Stelle, d.h. die Diakonie wird definiert als Dienst am Menschen in der Nachfolge Jesu Christi. Seelsorge und pastorales Handeln werden dadurch sehr stark unter den Aspekten Lebensbegleitung und -hilfe gesehen. Die Sorge um den Menschen formuliert das zentrale Gebot der christlichen Nächstenliebe. Die Schulseelsorge orientiert sich an den Grundvollzügen der Kirche: a)
Diakonia - Dienst am
Menschen aus dem Gauben Zum Selbstverständnis des Schulseelsorgers Als
„normaler“ Lehrer am Berufskolleg St. Michael erhalte ich für
meine Tätigkeit als Schulseelsorger keine zusätzliche
Entlastungsstunden. So gesehen ist mein Engagement vergleichbar
z.B. mit der ehrenamtlichen Tätigkeit in einer kirchlichen
Gemeinde: sie schenkt mir eine große Freiheit und beinhaltet
zugleich eine große Chance zur Gelassenheit, da ich keinem
Rechtfertigungsdruck unterliege. Durch
einen derartigen Ansatz lerne ich auch mit Widersprüchlichkeiten
zu leben, sie auszuhalten aber auch Spielräume zu erkennen und
sie mit großer Kreativität zu nutzen. Die unmittelbare Nähe
zu den Schülern, die ich als Lehrer besitze, verschafft mir
viele Möglichkeiten um mich in den „Dienst für den Nächsten“
nehmen zu lassen. In
der einjährigen berufsbegleitenden Zusatzausbildung zum
Schulseelsorger durch das Bischöfliche Generalvikariat Münster
(BGV) habe ich für ein derartiges Vorgehen im Bereich der
Schulseelsorge dazu das notwendige Rüstzeug erhalten.
Hierdurch hat sich nicht nur mein Blickwinkel gegenüber meiner
vorherigen Sichtweise als Religionslehrers verändert, durch
die supervisorische Begleitung erfuhr er eine weitere
Professionalisierung, die der Sache dient. Konkrete Ansätze der Schulseelsorge Das
Handeln in der Sorge um den Menschen aus dem christlichen
Glauben heraus entspricht an unserer Schule einem Menschenbild,
in dem das zentrale Gebot unseres Glaubens, die Nächstenliebe,
ihre Konkretisierung findet. In diesem Anliegen sind alle
Kolleginnen und Kollegen in einem hohen Maße engagiert. Wir
verstehen uns nicht nur als reine „WissensvermittlerInnen“. Vor
diesem Hintergrund versteht sich die Aufgabe des
Schulseelsorgers nicht als Konkurrent, sondern vielmehr als ergänzendes
Angebot. So führe ich, wenn gefragt, beratende Gespräche mit
allen am Schulleben Beteiligten durch. Hierbei wird
erfahrungsgemäß oftmals eine vermittelnde Rolle wahrgenommen,
die Brücken baut zu außerschulischen Beratungsstellen. Im
Bereich der Diakonia ist zudem eine hohe Authentizität
eingefordert, um die
empfangene unermessliche lebensbejahende
Liebe des menschenfreundlichen Gottes
im Alltag in der konkreten Begegnung mit dem Schüler/in
erfahrbar werden zu lassen.
1. SMS: Spuren meiner Sehnsucht – Schulgottesdienste als Chance und Anfrage Neben
der diakonischen Dimension der Schulpastoral nimmt am
Berufskolleg St. Michael der Schulgottesdienst eine sehr
zentrale Stellung ein. Dabei ist es ein wichtiges Anliegen, für
die Schulgottesdienste Priester aus dem Bereich Ahlen zu
gewinnen. Damit wird auch dem zentralen Anliegen der Bistums
entsprochen, eine Vernetzung zwischen Schule und Ortskirche
herzustellen. Der
Gottesdienst ist der zentrale Ort, wo die Schüler und Kollegen
ihre Lebensfragen und Lebenssorgen artikulieren, um sie in den
Aussagen des Evangeliums zu spiegeln. Hier wird erfahrbar, dass
Gott jeden Menschen so wie er ist vorbehaltlos annimmt, und ihn
so machen möchte, wie es Gottes Berufung und Auserwählung
entspricht. Die
monatlichen Schulgottesdienste in der Schulkapelle bzw. in der
St. Elisabethkirche werden am Berufskolleg St. Michael von den
einzelnen Klassen vorbereitet. Der Schulseelsorger steht dabei
beratend und unterstützend zur Seite. Ein
eigener Schwerpunkt wird durch die Abschlussgottesdienste
gesetzt, die vom Schulseelsorger unter Einbeziehung der
Abschlussschüler vorbereitet werden. 2. „Nimm dir Zeit...“ - der alternative Wochenanfang Einem
alten Ritual entsprechend beginnen wir die erste
Schulwochenstunde mit dem so genannten „Einstieg in die
Woche“. Im
Advent findet der „Einstieg in die Woche“ in der
Schulkapelle statt. 3. „Aus-Zeit“ im Alltag - Wenn die Zeit verlangsamt wird In der
Adventszeit wird den Schülern eine ganz besondere
„Aus-Zeit“ angeboten. 4. Ohne Vergangenheit keine Zukunft - Schuljubiläum Aus
Anlass des 100jährigen Schuljubiläums fand in der St.
Marienkirche in Ahlen ein
gemeinsamer Gottesdienst mit dem Gymnasium St. Michael
statt, den der Bischof von Münster, Dr. Reinhard Lettmann
zelebrierte. 5. „Ich möchte mein Kind taufen lassen, aber...“ Aus
der pastoralen Betreuung einer jungen Mutter, die als Schülerin
unsere Schule besuchte, erwuchs der Gedanke und der Wunsch, das
Kind in unserer Schule zu taufen. Da die evangelische Schülerin
keine große Familie besaß, fand die Tauffeier im Rahmen der
Klassengemeinschaft statt. 6. Gefirmt für das Leben Nach
einer gemeinsamen Firmvorbereitungszeit konnten am 13. Juni
2004 erstmalig zehn Schüler des Berufskollegs in der
Schulkapelle von Weihbischof Friedrich Ostermann das Sakrament
der Firmung empfangen.
Seelenwellness an der Autobahn Aus
dem Religionsunterricht erwuchs ein „Seelenwellnessprojekt“,
das in der Autobahnkapelle Münsterland-Ost zusammen mit den
Schülern eines Religionskurs realisiert wurde.
Im Zentrum der Koinonia stehen alle Bemühungen, die Gemeinschaft und auch den Einzelnen am Berufskolleg St. Michael durch gezielte Veranstaltungen zu stärken und zu fördern. 1. Tage der religiösen/lebenskundlichen Orientierung (TRO/TLO) Ein
besonderer Schwerpunkt der Schulseelsorgertätigkeit besteht in
der Organisation der TRO/TLO. Am Berufskolleg St. Michael hat
sich dabei in den letzten 10 Jahren ein eigenständiges Modell
der TRO/TLO herausgebildet, das in Bistum recht einzigartig
darsteht. Als feststehende Projekte haben
sich im Laufe der Zeit folgende Angebote erwiesen: Erfahrungsgemäß bedürfen die TRO/TLO einer ständigen Weiterentwicklung, da die Lebenswelt der Schüler und damit verbunden auch deren Glaubenswelt ständigen Veränderungsprozessen unterworfen sind. Die engagierte Zusammenarbeit der Kollegen mit dem Schulseelsorger sowie die sensible Begleitung durch die Abteilung „Schulseelsorge“ seitens des BGV werden auch auf Zukunft hin die TRO/TLO zu einem Erlebnis für die Schüler werden lassen, das zahlreiche Lebens- und Glaubenserfahrungen ermöglicht. 2. „Machen’se alles Mögliche, aber bloß nicht Bibel“ - Beitrag zum Jahr der Bibel 2003 Aus Anlass des „Jahr der Bibel“ begleitete der Schulseelsorger ein Projekt der Religionslehrer. So waren die Schüler in den einzelnen Religionskursen angehalten worden, sich ein mögliches Bibelprojekt auszudenken. Die Ergebnisse der zweimonatigen Vorbereitung der einzelnen Klassen wurden im Rahmen eines Bibeltags- bzw. einer Bibelnacht präsentiert. Der Schulseelsorger
organisierte in diesem Zusammenhang einen Bibelmarathon, d.h.
nach einem Eröffnungsgottesdienst wurde in der Schulkapelle
anschließend 24 Stunden lang aus der Bibel vorgelesen. 3. Wir gehören zur Weltkirche - Romwallfahrt 2003 Auf Vorschlag des
Schulseelsorgers veranstaltete die Schulgemeinde St. Michael
aus Anlass des 100-jährigen
Bestehens der Schule vom 2. bis 9. November 2003 eine
Pilgerfahrt nach Rom. In Verbindung mit einem Vorbereitungsteam
hat der Schulseelsorger die Organisation der Romfahrt übernommen.
[1]
Vgl. R. Zerfaß, Wenn Gott
aufscheint in unseren Taten, in: P.M. Zulehner, Das
Gottesgerücht. Bausteine für eine Kirche der Zukunft, Düsseldorf
1987, S. 97.
[2]
Das „Pastoralkolleg
Schulseelsorge“ wird zum Beispiel vom Generalvikariat Münster,
Abteilung Schulpastoral,
als berufsbegleitende Fortbildung über die Grenzen
den Bistums Münsters hinaus angeboten. Zur Fortbildung gehören
u.a.: 4 Kurswochen, Gruppensupervisionen und Hospitationen.
Das dritte Pastoralkolleg Schulseelsorge findet Ende Februar
bis Mitte Juni 2006 statt.
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