Unterscheidung durch Nachhaltigkeit

Am 13.03.2026 veröffentlicht

Zu einem Gedankenaustausch über die Bedeutung und den Wandel von Standortfaktoren kamen Schüler des beruflichen Wirtschaftsgymnasiums des Berufskollegs St. Michael aus Ahlen mit Vertretern der Firma Haver & Boecker in Oelde zusammen. Ausgehend von einem Fragenkatalog, den die Schüler im Wirtschaftsgeographieunterricht entwickelt hatten, ging es zunächst um die Frage, welche Faktoren zur Gründung des erfolgreichen Unternehmens in Oelde, das heute weltweit über 50 Tochtergesellschaften und 3000 Mitarbeiter verfügt, ausschlaggebend waren. Julian Groß-Weege, Executive Assistant der Firma, verwies in diesem Zusammenhang auf die Verfügbarkeit von qualifizierten Arbeitskräften und die Zementindustrie vor Ort, die für den Absatz der Drahtgewebeprodukte der Firma ausschlaggebend war. Auch für die Expansion in Europa und nach Nordamerika waren oft die Nähe zu den Absatzgebieten ausschlaggebend.

Heute sei bei der Erschließung weiterer Produktionsstätten (z.B. Afrika und Asien) eine Vielzahl an weitern Faktoren, zum Beispiel die Sicherheit der Energieversorgung – Stabilität des Stromnetzes – mit entscheidend.

Die klassische Standorttheorie sei kritisch zu hinterfragen, fügte Groß-Weege aus und verwies auf den Protektionismus der USA, der in der heutigen Zeit eher eine politische Risikoabwägung einfordere.

Überaus beeindruckt zeigten sich die Schüler über den hohen Stellenwert, den die Nachhaltigkeit als Leitgedanke in der Firma innehat und deren Umsetzung über viele Zertifizierungen belegt werden kann. Marcel Peters, Haver Academy Human Resources, wies in diesem Zusammenhang darauf hin, dass circa 95 % der Abfälle aus der Produktion der Drahtweberei ins Recycling gehen – ein großer Teil davon Rückstände aus der Verarbeitung von Stahl und Edelstahl. Zur Optimierung von Lieferketten und damit zur Einsparung von Energie gebe es zudem ein eigenes Nachhaltigkeitsmanagement. „Wir differenzieren uns durch die starke Ausprägung der Nachhaltigkeit von vielen anderen Konkurrenten auf dem Markt“, führte er aus.

Der begleitende Fachlehrer der Schüler, Johannes Gröger, dankte am Ende der Veranstaltung beiden Referenten. Es zeige sich erneut, dass die theoretischen Erarbeitungen aus dem Unterricht stets mit den realen Erfahrungen aus dem Alltag auf dem Prüfstand gestellt werden müssten. Von einer engeren Verzahnung von Schule und Betrieben profitierten beide Seiten, konstatierte er.